STATEMENT ZU: ESBD UND GRÜNDUNG DES EEF

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Lieber Leser, Liebe Leserin,

der ein oder andere von Ihnen kennt mich vielleicht oder hatte in den letzten 17 Jahren das Vergnügen unwissentlich in diversen Onlinespielen gegen mich angetreten zu sein. Mein Name ist Stefan Opitz, Gründer von eversity, leidenschaftlicher Gamer und stolzer Vater einer 9-jährigen Tochter.

Meine Geschichte beginnt 2003 mit Onlinespielen wie Counter-Strike und später dem MMO Klassiker Metin 2. Darauf folgte so ziemlich jedes Online-Spiel, das in der Zwischenzeit in Deutschland populär war. Ob World of Warcraft, World of Tanks, Battlefield oder Fifa – ausgiebig wurde alles getestet, was nicht bei drei auf dem Baum war.

Ich bin und war immer ein sehr geselliger Mensch, der gerne hilft und neue Ideen unterstützt. So war es mir möglich viele Zwischenstationen in meiner „Gamer-Karriere“ zu sammeln.

Der große Durchbruch als Spieler oder Influencer gelang mir zwar nie, doch wäre das wahrscheinlich auch nicht mein Ding gewesen. Stattdessen engagierte ich mich als Clan-Leader, Teamleader, Raidleader, Trainer, ehrenamtlicher ESL Admin oder auch E-Sport Vereinsvorstand/-gründer. Nichts, dass einem unbedingt Prominenz einbringt.

Dennoch erinnere ich mich heute gerne an die teils nächtelangen Diskussionen, Taktikbesprechungen, meine ersten LAN-Partys, Clan-Treffen und Administrationstätigkeiten. Ich durfte in den 17 Jahren viele verschiedene Persönlichkeiten kennenlernen, konnte viel lernen und habe dabei einige neue Freunde und Wegbegleiter gefunden. Dafür bin ich unendlich dankbar!

Natürlich gab es in all diesen Jahren auch viele Herausforderungen und Meinungsverschiedenheiten! Projekte sind gescheitert oder Ideen wurden trotz langer Vorarbeit verworfen. Ob ich diese Situationen im Nachhinein gut gemeistert habe – ich denke ja, denn heute kann ich auf viele Erfahrungen zurückgreifen, E-Sport und Gaming Projekte beurteilen und bin frohen Mutes was die Entwicklung des E-Sports angeht.

Aktuell beschäftige ich mich mit verschiedenen eigenen und Fremdprojekten im E-Sport und Gaming, bin gut vernetzt und versuche den E-Sport nach besten Gewissen zu unterstützen. Gerne unterhalte, ich mich wie in der Vergangenheit mehrfach geschehen, mit Jugendämtern, Wirtschaftsförderungen, Vereinen, Unternehmen oder anderen Interessenten und E-Sport Playern und biete, wenn möglich, meine Unterstützung an oder bringe Parteien zusammen. Dabei lerne ich selbst stetig dazu, kann Ideen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und notfalls auf kompetente Experten in meinem Netzwerk zurückgreifen.

Als ich 2016 begann die Idee für mein erstes E-Sportunternehmen, eversity, zu entwickeln war mir von Beginn an bewusst, dass dieser Weg nicht leicht und keinesfalls alleine machbar wäre. Auch die oft fehlende Attraktivität gegenüber Investoren wie BA oder VC, ein teilweise kompliziertes Konzept und fehlende Erfahrung in bestimmten Bereich machten die Situation nicht leichter. Mit Hilfe von Partnern wie dem E-Sport UBT der Universität Bayreuth, Sponsoren wie MSI oder ENHANCE Gaming und dank vieler ehrenamtlicher Helfer, gelang es dennoch im September 2017 das Unternehmen eversity zu gründen und an den Markt zu führen.

Zu diesem Zeitpunkt bestätigte uns die laufende Marktforschung, dass was wir bereits seit 1,5 Jahren testeten und ausarbeiteten: Besonders im Bereich Coaching und Training herrschte ein großes Defizit. Daher war unser erstes Produkt der „E-Sport Amateur Trainer S“ für alle Team-E-Sport Titel. Dieser Trainerschein wurde mit über 20 Amateur-Teams aus dem E-Sport, 3 semiprofessionellen Teams der ESL Meisterschaft und externen Wissensgebern, wie dem E-Sport UBT der Universität Bayreuth in über 30.000 Arbeitsstunden konzipiert und entwickelt. Der Zielgruppe E-Sport Amateur Trainer konnte so eine praktisch erprobte Ausbildung angeboten werden, die sich auch heute noch stetig weiterentwickelt und auf derer Grundlage hochwertige Weiterbildungen zukünftig auch für den Profibereich verfügbar sein sollen. 

Mit einem Umsatz von rund 90 Millionen im deutschen E-Sport, wovon nicht einmal  1 % des Gewinns auf den Bildungsbereich fallen, steht man jedoch nicht an erster Stelle der Stakeholder in Deutschland, sodass die öffentliche Wahrnehmung eher gering ausfällt.

Dies wird sich nun wahrscheinlich ändern.

Heute möchte ich mich zu der laufenden Diskussion betreffend ESBD und EEF äußern. Ich werde dabei Erlebnisse aus den vergangenen 2 Jahren einfließen lassen und beziehe mich ausschließlich auf die Stellungnahme des ESBD Präsidenten zu den öffentlichen Vorwürfen. Dabei picke ich mir bewusst einzelne Punkte heraus, da ich zu den anderen Themen nur wenig oder gar nichts sagen kann.

Die vollständige Stellungnahme ist hier zu finden: https://medium.com/@hagnow/esbd-und-eef-eine-replik-über-die-ehrenamtliche-arbeit-im-esport-b833e2fd9b04

1) In Deutschland gibt es unzählige Unternehmen und Vereine, die ebenfalls diese Arbeit übernehmen. Auch wir haben bereits regionale Veranstaltungen zu dem Thema organisiert, genauso wie viele andere. Daher ist es etwas frech hier den Löwenanteil der Lorbeeren einfahren zu wollen. Ohne diese ganzen Akteure, wäre der E-Sport heut nicht da, wo er ist. Das schmälert zwar den Einsatz des Verbandes keineswegs, jedoch ist es eines der selbstgesetzten Ziele gewesen und sollte daher selbstverständlich sein. Bei den anderen zuvor genannten Akteuren die diese Arbeit freiwillig machen, steht das jedoch nicht zwingend an erster Stelle.

In Bezug auf die 2017 selbst auferlegte Zielsetzung, als Vertreter der gesamten deutschen E-Sport Szene aufzutreten, kann ich die Errungenschaft „E-Sport Visum“ nicht als eine richtig priorisierte und somit zurzeit wichtigen Milestone gelten lassen. Durchaus, der Schritt war gut und wichtig, dennoch ist er für die meisten Mitglieder und auch die gesamte Zielgruppe meist irrelevant. Die Mehrheit der Akteure wird niemals ausländische Spieler beschäftigen oder anderweitig von dieser Regelung profitieren. Dass diese Errungenschaft also eine große Priorität hatte und als eines der ersten Dinge umgesetzt wurde, erschließt sich mir daher nicht. Vielleicht hat man hier auch die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, getreu dem Motto: „Besser als nichts und gemacht werden muss es eh“. Ob dem so sei, sei dahin gestellt.

2) Kurz nach der sehr überraschenden Gründung des ESBDs sind wir von eversity proaktiv auf diesen zugegangen und haben eine Zusammenarbeit für die Zukunft angeboten. Dabei sind wir so weit gegangen, unser gesamtes Wissen und die gesamte Ausbildung an den ESBD abzutreten. Warum? Ich bin der Meinung, ein Verband sollte genau solche Ausbildungen anbieten. Es versteht sich von selbst, dass diese erste Ausbildung nicht „perfekt“ war und das noch viel Arbeit vor uns lag – dennoch ist man gemeinsam stärker! Einzige Bedingung unsererseits war es, zukünftig in diesen Prozess involviert zu werden. Sei es als Teil des ESBDs, unter der Flagge des ESBDs oder gar vollkommen integriert, was die Auflösung von eversity zur Folge gehabt hätte. Diese Optionen wurden dann jedoch leider abgelehnt und man bot uns an, Fördermitglied zu werden, um quasi an einem (dann) „Konkurrenzprodukt“ mitzuarbeiten und zusätzlich Mitgliedsbeiträge zu zahlen. Dass uns dies nicht sehr attraktiv erschien, brauche ich wohl nicht erwähnen. Was uns außerdem irritiert: Ein Workshop über 3 Tage wird als „Ausbildung“ verkauft? Wie bitte soll jemand innerhalb von 3 Tagen derart viele Kompetenzen erlangen und das ohne ausführlichen praktischen Teil und langwierige Wiederholungen? Ich denke hier wurde das Wort „Ausbildung“ und seine Definition sehr verwaschen, denn ich bezweifle den Mehrwert für zukünftige Arbeitgeber.

3) Der Verband ist durchaus gewachsen, das lässt sich neidlos anerkennen. Allerdings sehe ich nicht, wie dieses Wachstum dazu beiträgt, den „Machtträgern“, den Publishern, Entwicklern oder Ligabetreibern auf Augenhöhe zu begegnen. Hierzu stellt sich mir eine wichtige Frage besonders auf die Aussage der Strukturschaffung in Punkt 2): Warum hat beispielsweise die ESL die Trainerausbildung des ESBDs noch nicht als Standard für die Teams in den oberen deutschen Ligen erklärt? Warum wurde in den ersten Monaten nicht eine Schiedsrichter-Ausbildung gemeinsam mit der ESL entwickelt? Natürlich kann dies an den Interessen und Prioritäten der ESL liegen, jedoch muss eine solche Entwicklung für den ESBD an vorderster Stelle stehen und ist im Interesse ALLER Mitglieder. Strukturen und Qualität schaffen, ohne zu sehr einzuschränken.

4) Ehrenamt ist immer gut und jeder Ehrenamtler hat meiner Meinung nach für seine Selbstlosigkeit einen Orden verdient. Besonders in einer Zeit in der die Ellenbogentaktik sehr beliebt ist. Ich durfte eine Zeit lang selbst als Kinder & Jugendbetreuer Ferienfreizeiten der AWO betreuen und weiß wie oft dieses Engagement unterschätzt wird.

Da der ESBD jedoch kein gemeinnütziger Verband ist, irritiert es, warum diese 20 Personen „nur“ im Ehrenamt beschäftigt werden. Besonders da ja „sehr viel Arbeit zu erledigen war und ist“. Auch wenn man auf der letzten Jahreshauptversammlung eine neue Satzung verabschiedet hat, welche die Gemeinnützigkeit beinhaltet, so ist diese, Stand heute, nicht noch nicht eintragbar (§ 52 AO). Dabei wäre doch auch dies bereits heute teilweise möglich. Stichwort Jugendarbeit, internationale Verständigung von Gruppen. Aufgaben die größtenteils definitiv zu einem Generalbevollmächtigten des deutschen E-Sports gehören, sich jedoch in der Satzung leider nirgends finden. 

6) Der Aufbau des EEF ist und war nie Aufgabe des ESBDs. Auf der letzten Jahreshauptversammlung wurde über ein Engagement in den EEF beraten und auf Nachfrage hieß es: „Man wolle nur bei der Gründung dabei sein und das ganze minimal finanziell unterstützen“. Das nun der Präsident des ESBDs eine weitere Führungsrolle innehat ist nicht verwerflich allerdings sollte dieser sich besonders zur Zeit voll und ganz auf seinen Auftrag in DE konzentrieren, bevor auch nur annähernd an eine Führungsrolle im EEF gedacht wird. Es mag meine persönliche Meinung sein, aber der E-Sport in Deutschland ist bei weitem nicht so groß, so gut strukturiert und so ausgereift, wie er oftmals beschrien wird, als das er als Paradebeispiel vorweg gehen kann. Auch und besonders aufgrund der bisher mangelhaften Professionalisierungsmaßnahmen seitens des ESBDs.

Ich kann und möchte den ESBD nicht komplett schlecht reden. Es liegt mir ebenso fern die Leistungen Einzelner oder von Arbeitsgruppen zu schmälern! Besonders unter dem Umstand, dass der Verband noch immer keine großen finanziellen Möglichkeiten hat (diese nach Außen auch nicht nachvollziehbar sind oder nachhaltig klingen) und auch keinerlei Machtstellung auf Augenhöhe mit den Stakeholdern der Branche besitzt.  

Ich biete gerne erneut ein offenes Gespräch für jeden der Interesse hat an. Am Ende wird es niemand alleine schaffen den E-Sport zu regulieren, zu strukturieren oder zu etablieren.

Daher möchte ich an dieser Stelle auch darauf verzichten weiter öffentlich auf Themen im Zusammenhang mit dem ESBD oder dem EEF einzugehen,  Namen zu nennen oder einzelne Personen als „Schuldige“ anzuprangern und damit die Situation weiter an zu heizen. Der entstandene Schaden ist bereits jetzt auf allen Seiten enorm und die Situation muss zu einer respektvollen, konstruktiven Aussprache aller Parteien führen.

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